Nahtourismus

Deutsche Urlaubsregionen bereiten sich auf den Sommer 2020 vor: Aufbruchstimmung, Preis-Stabilität, neue Gastronomie-Konzepte und flexible Reisezeiten

Aktuell

Frankfurt am Main, 7. Mai 2020. Beim 1. GCE-Agentur-Café der Kommunikationsagentur Global Communication Experts diskutierten im Video-Gespräch Vertreter deutscher Nahtourismusziele mit Medienschaffenden über das Thema Nahtourismus und seine Herausforderungen und Chancen für die Sommersaison 2020. Unter der Moderation von Dorothea Hohn (Managing Partner, Global Communication Experts GmbH) stellten sich den Fragen

  • Mirko Schwerdtfeger, Bereichsleiter Tourismus Spiekeroog,
  • Uta Holz, Geschäftsführerin Südliche Weinstrasse e.V.,
  • Thomas Baumgartner, Leiter Marketing & Kommunikation Tegernseer Tal Tourismus GmbH,
  • Ulrich Köster, Geschäftsführer VDN, Verband Deutscher Naturparke.

Im Vordergrund der Diskussion stand vor allem die praktische Umsetzung der diese Woche neu beschlossenen Regelungen der Bundesregierung als auch der individuellen Anordnungen in den einzelnen Bundesländern.

Aufbruchstimmung für die Sommersaison 2020

Auch wenn in den letzten Wochen die Gäste in den deutschen Regionen ausgeblieben sind und auch die Einheimischen in einer Ausnahmesituation gelebt haben, so sind die Tourismusverbände und ihre Partner nicht untätig geblieben. Thomas Baumgartner von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH betont, das in seiner Region Aufbruchstimmung herrsche. Die Betriebe rund um den Tegernsee haben die Zeit für Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen genutzt und dabei auch Wege gefunden, ihre Servicekräfte vor der Kurzarbeit zu bewahren, nämlich indem sie sie auch im Garten oder für handwerkliche Tätigkeiten eingesetzt haben. An der Südlichen Weinstraße dagegen haben die Einheimischen vor allem am Fehlen der traditionellen Weinfeste gelitten, die das ganze Jahr über das Leben in der Region bereichern. Deswegen habe der Südliche Weinstrasse e.V. Mitte April zum ersten virtuellen Weinfest Deutschlands eingeladen, so Geschäftsführerin Uta Holz. Insgesamt wurden 1.000 Weinpakete mit regionalen Produkten nach ganz Deutschland verkauft, 2.700 Teilnehmer zählte der Live-Stream des Weinfests und konnte damit als voller Erfolg verbucht werden.

Insgesamt bleibt das Thema Veranstaltungen geprägt von Unsicherheit. Wann es wieder Weinfeste an der Südlichen Weinstraße geben wird, kann Uta Holz derzeit nicht sagen. Und auch am Tegernsee werde es bis über den August hinaus keine Großveranstaltungen geben, so Thomas Baumgartner, es werde aber an Ideen für Kulturangebote im kleineren Kreis gearbeitet.

Keine Preiserhöhungen – dafür neue Chancen

In Erwartung einer Rezession als Folge der Corona-Pandemie ist auch die Preisfrage von zentraler Bedeutung. Hier geben die Destinationen Entwarnung. Die Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe werden zum Großteil von Preiserhöhungen absehen, denn die diesjährige Reisesaison bietet auch Chancen. Spiekeroog rechne für den Sommer mit einer sehr guten Auslastung, so Mirko Schwerdtfeger. Darüber hinaus rücke auch die Nebensaison mehr in den Fokus, denn dank Thalasso- und anderen Wellness-Angeboten sei Spiekeroog auch im Herbst und Winter für Erholungssuchende eine Reise wert. An der Südlichen Weinstraße ist die Lage umgekehrt: Als Destination, in der der Wein eine zentrale Rolle spielt, ist vor allem der Herbst Hauptreisezeit. Deswegen sieht Uta Holz den Sommer 2020 als Chance und freut sich auf Urlauber, die nicht ins Ausland werden reisen können und innerhalb Deutschlands Urlaub machen werden wollen – und dann auch vielleicht eine Woche bleiben anstatt nur für einen Wochenendtrip in die Region kommen. Thomas Baumgartner vom Tegernseer Tal rechnet ebenfalls mit einer sehr guten Auslastung in der Hauptreisezeit von Juni bis September; allerdings werden Urlaube auch innerhalb Deutschlands immer kurzfristiger gebucht, sodass auch eher Kurzentschlossene gute Chancen haben, eine Unterkunft zu finden.

Konzepte für die Gastronomie

Ein allgegenwärtiges Thema ist auch die Öffnung der Gastronomie und die Auswirkungen, die die neuen Abstandsregeln auch in Restaurants und Gaststätten haben werden. Einig sind sich alle Tourismusvertreter über den Verzicht auf Frühstücksbuffets in den Übernachtungsbetrieben. Abgewartet wird noch auf eine Regelung für die Reservierung von Tischen in den Restaurants. Höchstwahrscheinlich werde es eine Reservierungspflicht geben, nicht nur damit Gäste nicht Schlange stehen müssen, sondern auch, damit Infektionsketten mit dem Coronavirus nachverfolgt werden können. Aber auch Angebote zum Mitnehmen soll es weiterhin geben – auch deswegen sei die flächendeckende Einrichtung von Picknickplätzen wichtig, so Uta Holz.

Klimaschutz – auch während und nach der Pandemie

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Klimadiskussion in den Hintergrund gerückt. Doch auch in diesem Jahr leiden die deutschen Wälder wieder unter der Trockenheit. Ulrich Köster betont, dass die negativen Folgen der Klimakrise für die Natur in Deutschland viel weitreichender und langfristiger sein können als die Auswirkungen der Pandemie. Das Interesse für die deutschen Naturparks und regionale Angebote sei schließlich gestiegen, aber ohne klimaschonende Maßnahmen, werden die Wälder leiden und letztlich auch der Tourismus zurückgehen. Deswegen befindet sich die Südliche Weinstraße im Zertifizierungsprozess zum nachhaltigen Reiseziel. Mit der Pfalzcard werde schon die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs und die Nutzung regionaler Freizeiteinrichtungen gefördert, erklärt Uta Holz. Der Schutz des Pfälzerwalds sei wichtig, da er die Besucher fasziniert und einen großen Teil der landschaftlichen Schönheit der Region prägt. Und nur in einem gesunden Wald, der nicht von Trockenheit oder Parasiten gefährdet ist, können Besucher wandern, Mountainbike fahren oder einfach nur das Draußen sein genießen.

Maßnahmen zur Regulierung der Besucherzahlen

Laut der Pilot-Studienreihe “Markenkommunikation in Zeiten von Corona” wollen 40 Prozent der Befragten Kurzurlaube in Deutschland machen und fast jeder Zweite plant Tagesausflüge in die nähere Umgebung. Wie die Destinationen mit einem möglichen Besucherandrang umgehen werden, unterscheidet sich stark:

Als Teil der ostfriesischen Inseln kann Spiekeroog seine Gästezahl leicht regeln, denn alle Besucher kommen mit der Fähre auf der Insel an. Dabei wurde auch die Personenkapazität auf den Schiffen halbiert, damit Abstandsregeln eingehalten werden können. Um die Auslastung auf der Insel zu optimieren, können auch gleichzeitig zwei Fährschiffe in Betrieb genommen werden, denn die Anfahrt in den Hafen von Spiekeroog sei auch tideabhängig, weist Mirko Schwerdtfeger von der Nordseebad Spiekeroog GmbH auf die besondere Situation auf seiner Insel hin.

An der Südlichen Weinstraße ist eine kontrollierte Anreise der Besucher nicht möglich. Die Region möchte aber beliebte Hotspots um weitere, eher unbekannte Anlaufpunkte ergänzen, um so die Besucher in der Region möglichst zu verteilen. So lohnt sich nicht nur ein Besuch der Hütten mit ihren Picknickmöglichkeiten im Pfälzerwald, die sich schon immer großer Beliebtheit erfreuen; der Tourismusverein möchte auch neue Rastplätze für Wanderer und Ausflügler schaffen, beispielsweise in den Queichwiesen, die sich landschaftlich vom Pfälzerwald unterscheiden, wie Geschäftsführerin Uta Holz erklärte, aber mit ihrer Weite und der großen Storchpopulation genauso ansprechend seien.

Auch für den Tegernsee werden verschiedene Modelle der Gästeregulierung diskutiert, so Marketing- und Kommunikationsleiter Thomas Baumgartner. Möglich sei die Erhebung einer Tageskurtaxe, die Ausflügler vor der Anreise online buchen müssen, damit die Region den Überblick über die Gäste behalten kann, Kapazitäten seien ausreichend vorhanden.

Ulrich Köster vom Verband Deutsche Naturparke erklärt, dass Besucherlenkung in den Naturparken vor allem durch die Begrenzung der Teilnehmerzahlen bei Erlebnisführungen erfolgen soll. Auch Maßnahmen wie die Schließung von Parkplätzen an stark frequentierten Orten waren in der Vergangenheit bereits nötig, um einen Besucherandrang zu regulieren. Zentral sei allerdings in der aktuellen Situation die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, um potenzielle Besucher zu informieren und zu sensibilisieren, denn eine Kontrolle in der Natur sei nicht möglich. Aber hier sei auch die Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Tourismusbüros für die Lösungsfindung gefragt.

Fazit – gestärkte Regionalität, ungebrochene Attraktivität

Letztlich sind sich aber alle Destinationsvertreter einig: Die Corona-Pandemie hat die Anziehungskraft ihrer Regionen eher gestärkt. Auf Spiekeroog locken weiterhin die Weite der Nordsee, das heilsame Reizklima und die Ruhe dank Autofreiheit. An der Südlichen Weinstraße gibt es immer hervorragenden Wein, ein mildes Klima und vielfältige Outdooraktivitäten. Das Tegernseer Tal bleibt ein Ziel für innovativen Gesundheitstourismus mit seinem Heilklima und des echt bayerischen Trios aus See, Berge und Bier. Besonders freut man sich hier auf die baldige Eröffnung des neuen Jod-Schwefelbads in Bad Wiessee designt von Matteo Thun. Und in den Naturparken spielt immer noch die Natur die Hauptrolle sowie das Naturerlebnis, Regionalität und Nachhaltigkeit sowie dem Spaß in der Natur.

www.suedlicheweinstrasse.de
www.spiekeroog.de
www.tegernseer-tal-tourismus.de
www.naturparke.de

 

Über global communication experts
Global Communication Experts GmbH (GCE) ist eine der führenden deutschen Repräsentanz-, Marketing- und Kommunikationsagenturen im Bereich Tourismus und Hotellerie. Zu den Kunden der Agentur mit Hauptsitz in Frankfurt und einer Dependance in München gehören unter anderen die Tourismus-Organisationen von Costa Rica, Indonesien, The Beaches of Fort Myers and Sanibel, Teneriffa, Québec, Ras Al Khaimah, die Kreuzfahrt-Unternehmen TransOcean und VIVA Cruises, Kunden aus dem Reisevertrieb wie DERPART und der Luxus-Hotellerie wie das Atlantis The Palm, Dubai, die Giardino Group, das Hideaway FORESTIS in Südtirol sowie die Luxus-Immobilienentwicklung und das Golfresort Is Molas auf Sardinien. GCE ist Gründungsmitglied des internationalen Agenturnetzwerkes Pangaea Network, sowie Mitglied des Deutschen Reiseverbands (DRV), des Travel Industry Club und der touristischen Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V.

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