Ansgar Ohmes

Interview mit Ansgar Ohmes, Geschäftsführer Nordseebad Spiekeroog GmbH, zum Thema Preisentwicklung

Spiekeroog

Wie alle Küstenbundesländer Deutschlands sind die Inseln in der Nord- und Ostsee bereits seit 16. März für Touristen geschlossen. Ab nächster Woche soll es eine stufenweise Öffnung geben. Ansgar Ohmes, Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH erzählt im Interview, wie sich die Insel auf die kommende Saison einstellt.

Herr Ohmes, rund zwei Monate war es nur für Inselbewohner möglich, nach Spiekeroog zu kommen. Nun heißt es auch für Urlaubsgäste bald wieder „Ab auf die Insel“. Wie wird der Fährverkehr diesen Sommer ablaufen?
Selbstverständlich haben wir ein umfassendes Konzept hierzu erarbeitet. Angefangen bei der Möglichkeit von Fährfahrkarten-Onlinebuchungen über die Reduzierung der Schiffskapazitäten, die Begrenzung der Personenzahl in den Warte- und Schalterbereichen, der Empfehlung von bargeldlosem Bezahlen und der Erhöhung der Reinigungsintervalle sowie der Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen haben wir an alles gedacht. Zudem haben wir uns für eine freiwillige Selbstbeschränkung der Fahrgastkapazitäten der Schiffe auf die Hälfte der Sommerzulassung entschieden. Dennoch werden wir gegebenenfalls bei voller Auslastung dieser begrenzten Kapazität zusätzliches Sicherheitspersonal einsetzen, um die Abstandsvorgaben weiterhin zu gewährleisten.

Dabei mussten auch die Fährpreise angehoben werden. Wie hoch werden diese sein und warum mussten Sie den Preis anheben?
Die Nordseebad Spiekeroog GmbH sieht sich einerseits erheblicher Umsatzausfälle und andererseits höherer Betriebskosten gegenüber. Beides erfordert ein Gegensteuern, um eine wirtschaftliche Schieflage der Gesellschaft zu vermeiden. Wir appellieren dabei auf das Verständnis unserer Gäste.
Was die Umsatzeinbußen angeht: Zunächst sind da die Umsatzausfälle in der Schifffahrt, die sich seit Mitte März quasi auf null belaufen. Durch die Kapazitätsbeschränkung für die Zeit der Covid-19-Pandemie dürften die Einnahmen zwischen 30 und 50 Prozent der normalen Sommerzulassung je Schiff liegen. Zudem werden uns im Jahr 2020 ganze Kundensegmente verloren gehen, wie voraussichtlich die Beförderung von Gruppenanreisen.
Zu den höheren Betriebskosten: verursacht werden diese durch die notwendige Beauftragung eines Sicherheitsdienstes sowie durch den zusätzlichen Einsatz eigener Mitarbeiter für alle drei Schiffe. Sie sollen für die Sicherstellung der Einhaltung von Abstandsregelungen sowie beim Boarding, bei der Sitzplatzverteilung und beim Verlassen des Schiffes unterstützen. Außerdem sind zusätzliche Schiffsverbindungen zur Sicherstellung eines reibungslosen An- und Abreiseverkehrs, trotz der Kapazitätsreduzierung der Schiffe, notwendig. Und natürlich geht es auch um zusätzliche Kosten für die Erstellung und Umsetzung von Hygiene- und Gesundheitsschutzkonzepte sowie zur Sicherstellung entsprechender Maßnahmen.

Herr Ohmes, Sie bitten Ihre Gäste um Verständnis und Solidarität. Welche Investitionen hat Spiekeroog in den letzten Jahren für seine Urlaubsgäste getätigt und in welcher Höhe?
In den letzten zehn Jahren wurden knapp zehn Millionen Euro in die touristische Infrastruktur der Insel investiert. Dazu gehört unter anderem das gerade fertiggestellte neue Kurzentrum: Rund 600.000 Euro wurden insgesamt in den Umbau des Kurzentrums gesteckt. Das Projekt wurde durch die EU mit dem Programm LEADER gefördert und durch die Gemeinde Spiekeroog kofinanziert. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Das Herzstück Spiekeroogs erstrahlt in frischem Glanz und überrascht mit neuen Highlights. So gibt es beispielsweise einen Trinkbrunnen, der durch die Pferdmenges Stiftung gefördert wurde, sowie eine Streuobstwiese mit Apfel-, Birnen- und Birnenquittenbäumen. Die Wiese wurde großzügig durch Gästespenden finanziert. Außerdem wurden die Spiekerooger Klinkersteine mit individuellen Widmungen und Gravuren verlegt und mit dem neuen Erlebnisgolf-Parcours eine weitere Attraktion geschaffen. Der letzte Feinschliff soll dann erfolgen, wenn die Gäste wiederkommen dürfen.

Herr Ohmes, welche Argumente sprechen für einen Urlaub auf Spiekeroog? Nennen Sie uns Ihre Top 5.
In den vergangenen Wochen dürfte vielen Menschen noch deutlicher geworden sein, was im Leben wirklich Bedeutung hat. Gesundheit, persönliche Zufriedenheit, eine intakte Natur und Begegnungen mit lieben Menschen sind Werte, die man nicht einfach kaufen kann. Und dies genau macht Spiekeroog aus. Hier spielt es kaum eine Rolle, ob ich viel oder wenig Geld habe, ob ich alt oder jung bin, ob Stadt- oder Landmensch. Spiekeroog gibt viel Kraft und Energie. Hier kann ich in frischer Meeresluft durchatmen, Ruhe und Natur genießen, mit den Kindern am Strand Sandburgen bauen, lange Spaziergänge durch die Dünenlandschaft oder am Strand machen, an Wattexkursionen teilnehmen und nachts den Sternenhimmel bewundern. Dabei bin ich als Urlaubsgast noch nachhaltig unterwegs, weil ich nicht mit dem Flugzeug fliegen muss, um mein Ziel zu erreichen und die Insel Spiekeroog zudem autofrei ist. In dieser Saison freuen sich alle Gastgeber, Gastronomen und touristischen Anbieter ganz besonders über die ersten Gäste nach Lockerung der Reisebeschränkungen, was sich ganz sicher im herzlichen Empfang widerspiegeln wird. Wie hieß es in den vergangenen Wochen so schön auf unserer Internetseite „Wir vermissen euch!“. Daher sage ich „bis bald“!

Weitere Informationen auf www.spiekeroog.de.

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